zurück
Anfang Oktober nun musste ich den kleinen Theo einschläfern. Er hat es mir deutlich genug gezeigt: Als ich Freitagabend nach Hause kam - ich war kurz zum Essen ausgegangen -, kam er mich nicht eimal mehr begrüßen. Offenbar tat ihm einfach alles zu weh. 

Samstagmorgen waren wir zusammen im Park; ich habe ihn die meiste Zeit getragen, zum Frühstück bekam er ein Croissant und zwei Wiener Würstchen - er konnte sein Glück kaum fassen -, und mittags fuhr ich dann mit ihm und allen anderen Hunden zum Tierarzt, um ihn einschlafen zu lassen. Ich hielt ihn, während er starb, und er schien auch nicht beunruhigt. Es war für ihn viel wichtiger, bis zum Schluß zu spüren, dass ich da war, bis zu der Sekunde, als sein kleines, wirklich sehr starkes, großes Herz aufhörte zu schlagen (so stark, dass er sich Anfang der Woche, in einem vermeintlichen Versuch, mindestens mein Leben zu schützen, in das Maul des Nachbarschäferhundes warf. Der glücklicherweise so perplex war, dass er Theo einfach wieder ausspuckte). 

Er war ein wirklich guter Hund und ein guter Freund, über so lange Zeit - und komischerweise zog er immer sehr viel Aufmerksamkeit auf sich, egal, wo er hin kam. - Gar nicht so leicht, eigentlich, weil er ja immer von den großen Pudeldamen und dem exotischen Windspiel flankiert wurde - und trotzdem lachten ihn alle an, freuten sich, wenn er sich auf ihre Schuhe setzte, und behandelten ihn fast wie eine Person, nie wie einen Hund. Er veränderte die Stimmung in den Räumen, die er betrat. Irgendwie schaffte er es immer, Herzen zum Schmelzen zu bringen - zuerst meines. Ich hatte großes Glück, ihn so lange Zeit als meinen Begleiter zu haben. Er kannte sich gut aus in Deutschland, begleitete mich überall hin, und half mir sechs Mal beim Umziehen, half mir sechs Mal, schnell aufs Neue Wurzeln zu schlagen. Er zeigte anderen Hunden, was eine Harke ist, tröstete immer wieder Welpen darüber hinweg, dass sie fern von Mutter und Geschwistern waren, und erzog sie nebenbei. Er begleitete mich auf Wanderungen, an Strände, über Brücken, und - sein Schönstes - in schicke Restaurants, wo er von Tisch zu Tisch wanderte,  eine Weile für Gesprächsstoff sorgte, um dann zum Nebentisch zu gehen. 

Er war immer dabei. Jetzt nicht mehr. Jetzt habe ich ihn nicht mehr an meiner Seite, aber immer noch in meinem Herzen, immerhin. 

Jetzt gerade vermisse ich das leise Schnarchen und Schmatzen zu meinen Füßen allerdings ganz furchtbar.