Wenn die schwarze Luise eine Diva ist, ist die braune Großpudelin Ida vom Typ her eher ein polnischer Schlagerstar: ein Rockchick durch und durch mit einem leichten Hang zum Ordinären. Das ganze Leben scheint eigens dafür erfunden zu sein, Ida zu amüsieren – sie ist ein personfiziertes Hurra. Ich kenne keinen Hund, der sich so gerne in grauenvollen Dingen wälzt, keinen Hund, der so demonstrativ durch die Wohnung schlurfen kann, wenn ihr langweilig ist, oder mit so vulgärer Stimme anderen Hunden ins Ohr kläfft, um sie zum Spielen aufzufordern wie Ida. Dafür kann sie unendliche Mengen an Kunststücken – lauter äußerst nützliche Sachen wie Taschentücher anbringen, wenn jemand niest, Kekse auf der Nase balancieren, durch meine Arme springen oder im Slalom durch meine Beine laufen: Falls meine Karriere als Autorin mal irgendwie zuende geht, kann ich immer noch beim Zirkus anheuern, soviel steht fest. Lange Zeit hatte Ida eine Phase, in der sie sich sehr für teure Accessoires interessierte: Ich glaube nicht, dass sie je einen Schuh gefressen hat, der unter 200 Euro gekostet hätte. Kurz nach unserem Umzug – solange es noch keinen Schuhschrank gab –, schaffte sie es in der Rekordzeit von drei Stunden, meine sämtlichen Pumps ihrer Absätze zu entledigen, und meistens noch irgendwelcher notwendigen Riemchen dazu, so dass man die Reste wirklich nur noch wegwerfen konnte. Danach sah man mich eine ganze Weile nur noch in flachen Schuhen ausgehen. Ich glaube, zu dieser Zeit war Ida auch mal eine Viertelstunde lang zur Adoption frei.
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